Die wohl geläufigste Goldmünze der Schweiz ist das 20-Franken-Stück, das besser bekannt ist unter dem Namen »Goldvreneli«. Zwar wurden vergleichbare Goldmünzen zu 20 Schweizer Franken bereits ab 1883 geprägt, doch begann die Geburtsstunde des Vreneli erst im Frühjahr 1895. Zwischen 1897 und 1949 prägte die Eidgenossenschaft über 58 Millionen Münzen und weitere Stückelungen zu 10 und 100 Franken.

Ein 20 Franken Goldvreneli
Das 20 Franken Goldvreneli ist das meistverbreitetste.
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Heute zählt das Goldvreneli zu den beliebtesten Anlageprodukten als sogenannte Kurantmünze, bei welcher sich der Nennwert nicht nach dem aufgeprägten Nominal, sondern nach dem Metallwert richtet. Historische Bullionmünzen wie Vreneli orientieren sich damit nah am Goldpreis. Geprägt wurde die 20-Franken-Münze in einer Gold-/Kupfer-Legierung zu 90 Prozent Gold und 10 Prozent Kupfer. Das entspricht 5,807 Gramm Feingold oder 0,187 Unzen bei einem Raugewicht von 6,452 Gramm. Damit erfüllt sie ebenfalls den 1865 eingeführten Standard der Lateinischen Münzunion (LMU) , der auch die Schweiz angehörte.

Die technischen Daten der drei unterschiedlichen Vreneli-Ausgaben im Vergleich:

Goldvreneli 100 Franken 20 Franken 10 Franken
Durchmesser 35,00 mm 21,00 mm 19,00 mm
Randstärke 2,20 mm 1,25 mm 0,90 mm
Feingehalt 900/1000 Au 900/1000 Au 900/1000 Au
Feingewicht 29,030 g 5,807 g 2,900 g
Raugewicht 32,258 g 6,452 g 3,226 g
Prägezeitraum 1925 1897-1949 1911-1922
Geprägte Auflage 5’000 58’634’296 2’650’056

Doch nicht nur als Anlageprodukt ist das Goldvreneli international gesehen hochgeschätzt. Insbesondere für das Schweizer Volk stellt die Münze über ihren Goldanteil hinaus einen hohen ideellen Wert dar. Häufig wird ein 20 Franken-Stück zu besonderen Anlässen wie zur Geburt oder zur Taufe eines Kindes verschenkt. Damit erhalten die neuen Erdenbürger ein bedeutendes Stück Schweizer Tradition und gleichzeitig ein unvergängliches Wertprodukt – quasi einen Notbatzen (Schweizerdeutsch für Notgroschen) für schlechte Zeiten.

-> Nicht zu verwechseln ist das Goldvreneli mit der optisch ähnlichen Libertas-Goldmünze, die im Handel meist Helvetia benannt ist. Sie ist der direkte Vorläufer des Vreneli und wurde zwischen 1883 und 1896 geprägt.

Die Geschichte des Goldvreneli

Im Frühjahr 1895 gab die Eidgenossenschaft die Ausschreibung einer Motivumgestaltung des 20-Franken-Goldstücks bekannt. Dabei waren die Wettbewerbsbedingungen klar umrissen. Das neue Münzbild sollte nationale Motive aus der Schweizer Historie oder Allegorie beinhalten. Gewünscht war eine modernere Version der Helvetia – die Frauenfigur als Sinnbild des Staates.

Namhafte internationale Künstler reichten ihre Werke ein. Die Jury des Bundesrates bestand aus Malern, Numismatikern sowie weltweit bekannten Kunstgelehrten und Sammlern. In die engere Wahl kam schliesslich der Entwurf des Neuenburger Medailleurs Fritz Ulisse Landry (1842-1927). Seine ursprüngliche Helvetia war sehr jugendlich und forsch, mit üppiger Stirnlocke dargestellt. Die Jury drängte den Schweizer Künstler jedoch zu einer Modifizierung. Somit erhielt das Frauenrelief reifere Gesichtszüge und einen Flechtkranz, der ihr offenes Haar bändigte.

Den originalen Prägestempel liess Landry vom Pariser Medailleur Ernest Paulin Tasset anfertigen. Kritiker bemängelten daraufhin das nicht ganz einwandfreie Prägebild der Münzen, welches durch das zu dieser Zeit nicht unübliche Reduktionsverfahren hervorgerufen wurden. Dabei wurde die Gravurplatte ausgehend von einem grösseren Modell verkleinert gestochen. Hauptkritikpunkt waren undeutliche Konturen, wodurch die Helvetia etwas plump wirkte.

Den Begriff »Vreneli« sucht man allerdings vergeblich auf den Münzen. Im Schweizerdeutschen steht es für die Verkleinerungsform des Vornamens Verena, häufig auch für Mädchen. Doch wie der Kosename für die Goldmünze zustande kam, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen. Erstmals tauchte die Bezeichnung 1943 in einem Druckstück auf. Es wird vermutet, dass die jugendliche Darstellung der Helvetia eher an ein Mädchen als ein Staatssymbol erinnerte.

Ein 100 Franken Goldvreneli
Das 100 Franken Goldvreneli ist das seltenste.
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Die Motive der Wert- und Bildseiten

Je nachdem, ob es sich um ein 10-, 20- oder 100-Franken Goldstück handelt, variieren die Motive der Vorder- und Rückseiten. Die 20-Franken-Münze zeigt auf Ihrer Bildseite die bekannte Frauenbüste nach links blickend. Ihr volles Haar ist zu einem Zopf geflochten, der über dem Kopf liegt. Sie trägt ein Kleid mit Edelweissen am Kragen. Im Hintergrund sind Schweizer Bergmassive erkennbar.

Über dem Kopf der Figur schwebt die Versalienumschrift »HELVETIA«. Der Künstler ist mit »F. LANDRY« am rechten unteren Rand integriert. Eingefasst wird die Gestaltung durch ein umlaufendes Nietenband. Mit Ausnahme der Platzierung der Künstler-Signatur sind das 10- und 100-Franken-Stück identisch aufgebaut: Hier befindet sich der Schriftzug jeweils links unten.

Grössere Unterschiede zeigen sich auf den Wertseiten der Ausgaben. Bei der Ausführung zu 20 Franken ist im Zentrum ein ausgeschnittenes Wappenschild mit dem Schweizerkreuz dargestellt. Befestigt ist es mit flatternden Bandenden an üppigen Eichenzweigen. Links und rechts am Rand ist der Nennwert über »20 FR« integriert und am Münzboden das Prägejahr sowie das Münzzeichen »B«.

Beim 10ner und 100ter Goldstück ist das Schweizerkreuz stattdessen im oberen Bereich auf einem Strahlenkranz platziert. Das Nominal behält seine Position, während ein Bund aus Alpenrosen und Enzianzweigen der unteren Münzrundung folgt. Darüber ist die Jahreszahl untergebracht, darunter das Prägezeichen. Auch auf dem Revers* beschliesst ein Perlenkranz das Motiv.

Ein 10 Franken Goldvreneli
Ein 10 Franken Goldvreneli.
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Als Besonderheit und der schmalen Randstärke geschuldet, verfügt die 10-Franken-Münze über einen gerippten Rand. Bei den Ausgaben zu 20 und 100 Franken ist eine Randprägung aus insgesamt 22 Sternen vorhanden, welche die Schweizer Kantone repräsentieren. Jüngere Prägungen tragen ebenfalls Inschriften.

-> * Anders als sonst üblich sind die offiziellen Bezeichnungen für die Vorder- und Rückseite beim Goldvreneli vertauscht. So gilt die Bildseite als Avers und die Wertseite als Revers.

Das Vreneli als Zahlungsmittel

Während der Weltwirtschaftskrise werteten die meisten Staaten ab 1931 ihre Währungen ab. Gemeinsam mit Frankreich entschloss sich der eidgenössische Bundesrat 1936 als einer der letzten bedeutenden Handelsmächte Europas die Schweizer Valuta ebenfalls der internationalen Finanzsituation anzupassen. So wurde der Franken um 30 Prozent abgewertet und damit die Parität der Währung von zuvor 215 auf 190 Milligramm Feingold festgelegt.

Dies hatte zur Folge, dass die Goldmünze Vreneli faktisch ihren Kurswert verlor. Durch die Neuausrichtung stieg das 20-Franken-Stück auf nunmehr 28 Franken. Dadurch verschwand das Goldvreneli vollständig aus dem Zahlungsverkehr und erhielt fortan den Status von Sammler- und Anlageware. Um vorhandene Goldbestände abzubauen und der grossen Nachfrage gerecht zu werden, wurden allein zwischen 1945 und 1949 knapp 40 Millionen 20-Franken-Vreneli geprägt.

Das Goldvreneli im Überblick

  • Das Vreneli ist die bekannteste Goldmünze der Schweiz und wurde bis 1936 im Zahlungsverkehr eingesetzt.
  • Von 1897 bis 1949 wurden mehr als 60 Millionen Goldvreneli in den Stückelungen zu 10, 20 und 100 Franken geprägt. Das Hauptnominal stellte dabei das 20-Franken-Stück dar.
  • Das Motiv der bekannten Frauenbüste wurde 1895 von dem Schweizer Medaillenkünstler Fritz Landry entworfen.
  • Die Prägestempel erstellte der französische Medailleur Ernest Tasset im Verkleinerungsverfahren.
  • Je nach Nennwert weisen Bild- und Wertseite Modifikationen auf. Das betrifft ebenfalls die Randgestaltung.
  • Heute stellt das Goldvreneli in erster Linie ein beliebtes Anlageprodukt von hohem internationalem Interesse dar. Die Kurantmünze gilt weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel, deren Wert den Nominalwert wegen dem Goldpreis aber bei weitem übersteigt.
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