Warum Privatinvestoren von Silbergranulat absehen sollten

Die Wertanlagen in Edelmetalle gewinnen an Bedeutung. Dabei erscheint Silbergranulat manchen Anlegern als vielversprechend. Die Ersparnis gegenüber Anlagebarren wird als Vorteil angepriesen. Bei näherer Betrachtung ergibt sich ein anderes Bild von Silbergranulat, nämlich dass es sich als Anlageform nur beschränkt eignet.

Herstellung von Silbergranulat

Bei Silbergranulat handelt es sich um reines Feinsilber, das in grob- oder feinkörniger Form auftritt. Seine Herstellung ist einfach: Flüssiges Silber wird durch einen hitzebeständigen Sieb in kaltes Wasser gegossen. Dabei formen sich fast runde Silberteilchen, die unterschiedliche Grösse aufweisen. Diese reicht von einer knappen Klumpengrösse bis hin zu sehr kleiner Körnung. In der Regel erfolgt die Herstellung von Silbergranulat in den Scheideanstalten, die es an die Industrie und Edelmetallhändler weiterverkaufen.

Bild von Silbergranulat
Silbergranulat sind reine Silberkörner.
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Verwendung von Silbergranulat

Das Silbergranulat wird überwiegend als Verarbeitungsmaterial von Silberschmieden und in der Industrie für die Herstellung verschiedener Produkte verwendet. In diesem Bereich ist es von grossem Vorteil: Es lassen sich die gewünschte Feinheit oder das gewünschte Gewicht von Silbergranulat sehr gut abmessen. Dies schafft vielfältige Möglichkeiten beispielsweise bei der Herstellung eines Schmuckstücks oder eines Bauteils. Bekannt ist der Einsatz von Silbergranulat bei der Produktion von Kühlschränken.
Gehandelt und transportiert wird Silbergranulat in vom Hersteller versiegelten Säcken die gewöhnlich mehr als 20 Kilogramm wiegen.

Silbergranulat als Anlageform?

Die Privatinvestoren fragen sich verstärkt, ob das Silbergranulat gegenüber den Silbermünzen und -barren eine gute Anlagealternative darstellt. Ein wachsendes Interesse an Silbergranulat ist darauf zurückzuführen, dass es auf den ersten Blick preisgünstiger erscheint. Allerdings sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Fungibilität: Wer das Silbergranulat kaufen will, sollte seine Umtauschbarkeit in Betracht ziehen. Die zentrale Frage lautet hier: Lässt sich das Silbergranulat wie Silbermünzen und -barren bei Bedarf wiederverkaufen oder umtauschen?
  • Qualitätssicherung: Viele Privatinvestoren, die das Silbergranulat kaufen wollen, sind sich nicht sicher, ob es den für die Edelmetalle geltenden Qualitätsstandards entspricht. Zweifel an der tatsächlichen Reinheit sowie am Gewicht können bestehen.
  • Transport und Lagerung: Die Wertlagerung findet gewöhnlich in Hochsicherheitstresoren statt, um das höchste Mass an Sicherheit zu gewährleisten. Die versiegelten Säcke bei Silbergranulat erschweren die reibungslose Lagerung.
  • Flexibilität: Die meisten Privatinvestoren, die Edelmetalle in Form von normalen Barren als Anlageform erwerben, haben die Möglichkeit, aus vielen verschiedenen Grössen zu wählen. Es ist zu überlegen, ob dies beim Silbergranulat auch möglich ist.

6 Gründe gegen Silbergranulat

  • Im Hinblick auf die Herstellungsart und die preisliche Gestaltung weist das Silbergranulat keine Punzierung, also keine Stempelung auf. Aus diesem Grund lässt sich weder sein Feingehalt, Erzeuger noch seine Überprüfungsstelle einfach feststellen.
  • Ein versiegelter Sack, in dem sich das Silbergranulat befindet, enthält normalerweise Informationen über Feingehalt und Erzeuger. Für den Fall, dass das Silbergranulat aus seinem versiegelten Sack entnommen wird, sind die Reinheit und Herkunft nicht mehr ohne Weiteres feststellbar.
  • Wer sein Silbergranulat verkaufen will, kann auf Schwierigkeiten stossen. Im Unterschied zu Silbermünzen und -barren herrscht am Silbergranulat ein beschränktes Interesse. Es kommt vorwiegend für die Silberschmieden und die Industrie in Frage.
  • Das Silbergranulat lässt sich schwer transportieren und lagern. Bei der Lagerung sollte es sich in versiegelten Säcken oder Behältern befinden. Kommt es zur Beschädigung von Siegel oder Säcken, gilt es das Silbergranulat einzuschmelzen und neu zu prüfen.
  • Im Fall des Verkaufs von Silbergranulat sollten die Privatinvestoren mit deutlichen Abschlägen rechnen. Diese sind mit zusätzlichen Kosten, darunter Transport-, Schmelz- und Prägekosten verbunden, die Händler beim Kauf von Silbergranulat tragen müssen.
  • Im Unterschied zu den Anlagebarren ist das Silbergranulat nicht in vielen verschiedenen Grössen erhältlich. Aus diesem Grund bietet es weniger Flexibilität, die bei den an Edelmetallen interessierten Privatinvestoren sehr erwünscht ist.
Bild von Silbergranulat und Silberbarren
Silbergranulat bildet der Ausgangswerkstoff für viele Produkte, auch für Silberbarren.
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Das Silbergranulat im Überblick

  • Silbergranulat ist ein wichtiges Verarbeitungsmaterial, das bei der Herstellung industrieller Produkte und eines Silberschmucks seine Verwendung findet.
  • Silbergranulat eignet sich nur beschränkt als Anlageform und kann daher nicht als gute Alternative zu den Silbermünzen und -barren genannt werden.
  • Im Gegensatz zu den Anlagebarren ist das Silbergranulat schwer handelbar, da es hauptsächlich von Silberschmieden und in der Industrie eingesetzt wird.
  • Anders als bei den Edelmetallen lässt sich beim Silbergranulat die Fungibilität, Qualitätssicherung, guter Transport und Lagerung nur schwer gewährleisten.
  • Der Verkauf von Silbergranulat kann finanzielle Nachteile mit sich bringen, da beim Verkauf mit Abschlägen und daraus folgend mit geringeren Gewinnen zu rechnen ist.
  • Jene Privatinvestoren, die das Silbergranulat kaufen wollen, sollten darauf achten, dass es von einem LBMA-zertifizierten Hersteller stammt.
Vier Silberbarren von je 250 Gramm
Silberbarren, eine interessante Investitionsmöglichkeit.
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