Basiswissen: Barren und Münzen aus Edelmetall

Wer ohne professionelle Beratung in physische Edelmetalle investieren möchte, sollte sich mit den wichtigsten Fachbegriffen auskennen, zwischen Gewichtseinheiten und Feingehalten differenzieren können sowie die Vor- und Nachteile von Barren oder Münzen verstehen. Denn ein gutes Basiswissen hilft dabei, die besten Anlageprodukte für den eigenen Bedarf zu finden und Echtes von Falschem zu unterscheiden.

Dieser Artikel soll insbesondere Einsteigern in den physischen Anlagemarkt dabei behilflich sein, einen Überblick über die umfassende Welt der Edelmetalle zu erhalten. Ebenso können erfahrene Anleger oder Sammler diese Zusammenfassung für ihr Hintergrundwissen nutzen.

Mehrere Goldmünzen und -barren
Mehrere Goldmünzen und -barren
© Erwin Wodicka - stock.adobe.com

Welche Anlageprodukte gibt es?

Zwar können Investoren ihr Kapital auch in Schmuck anlegen, doch hier soll es zunächst um die klassischen Anlageprodukte aus Edelmetall gehen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Barren oder Münzen, die ausschliesslich zu Anlagezwecken hergestellt werden. Wobei Umlaufmünzen, abgesehen von einigen historischen Exemplaren, nicht zu den Anlagemünzen zählen. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in den Abschnitten über die Fertigung von Barren und Münzen.

Grundsätzlich eignen sich die vier Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium zur Kapitalsicherung. Jedoch erfordern die beiden Graumetalle Platin und Palladium ein höheres Fachwissen und gelten allgemein eher als Nischenprodukte. Während Gold bis auf wenige Ausnahmen ausschliesslich für Anlageprodukte oder Schmuck verwendet wird, werden die übrigen Edelmetalle hauptsächlich aus der Industrie nachgefragt. Das gilt ebenfalls für Kupfer oder Seltene Erden sowie Granulate.

Gewichte und Gewichtseinheiten

Wer sich auf dem Edelmetallmarkt umschaut, wird schnell feststellen, dass nicht nur sehr viele unterschiedliche Sorten angeboten werden, sondern dass sich diese überdies in der Grösse unterscheiden. Die Masseinheiten der Anlageprodukte unterscheiden sich je nach Herkunft der Barren oder Münzen. Sie richten sich nach dem Gewicht und werden entweder in (Fein-)Unzen oder Gramm/Kilogramm angegeben. Zur besseren Unterscheidung befindet sich die Angabe in der Regel direkt auf dem Produkt.

Eine Feinunze Edelmetall entspricht exakt 31,103468 Gramm. Dieses Mass ist  auch die Grundlage der grossen Standardbarren, die zur Kapitalbesicherung von den Zentralbanken hinterlegt sind. So entspricht ein Standardbarren aus Silber 1’000 Unzen (etwa 31 kg) und ein Standardbarren aus Gold 400 Unzen (rund 12 kg). Teilweise können sie erheblich vom Normgewicht abweichen, weshalb sie sich für Privatanleger eher nicht eigenen.

Jedoch sind Edelmetallbarren in allen Gewichtsklassen von 1 Gramm bis 15 Kilogramm sowie in vielen Unzengrössen verfügbar. Unter Anlegern sind insbesondere Goldbarren zu 100 oder 250 Gramm beliebt und Silberbarren zu 500 Gramm oder 1 Kilogramm. Bei Gold- und Silbermünzen ist 1 Unze die gefragteste Gewichtseinheit, wobei viele weitere Stückelungen auch in Bruchunzen (1/2, 1/4 oder 1/10 oz) erhältlich sind sowie als Gramm- und Kilogrammeinheiten.

Feinheit, Reinheit und Feingehalt

Neben der „richtigen“ Stückelung ist die Feinheit des Edelmetalls von Bedeutung. Diese wird auf Anlageprodukten vierstellig in Tausendstel angegeben und beziffert den Anteil reinen Metalls im Produkt. Moderne Barren und Münzen bestehen heutzutage fast zu 100 Prozent aus Gold oder Silber. Erkennbar ist dies an der Prägung 999,9, die in Fachkreisen auch als »Four Nine Fine« bezeichnet wird. Sonderausgaben bestehen teilweise sogar aus 999,99/1000 Gold (Five Nine Fine), die aber eher für den Sammlermarkt bestimmt sind.

Also, je höher die Feinheit, desto grösser auch der Wert des Edelmetalls? Das ist überwiegend korrekt, doch keine Regel ohne Ausnahme! So gehören die Goldmünzen Krügerrand oder American Eagle zu den meistgeschätzten Anlagemünzen, die weltweit und nah am Goldkurs gehandelt werden. Der Feingehalt beider Klassiker beläuft sich auf 916,67/1000 Gold. So sorgt beim Krügerrand eine Kupferbeimischung für den charakteristischen rötlichen Schimmer und beim Eagle lässt ein Silberanteil das Gold heller erscheinen. Zugleich entstehen härtere Oberflächen.

Zum besseren Verständnis lässt sich die Feinheit von Edelmetallen auch in Karat umrechnen. Das kennen viele aus der Schmuckverarbeitung, bei welcher die Goldlegierung in 24er-Teilen vom Gewicht angegeben ist. Die folgende Gold-/Karat-Tabelle gibt einen Überblick:

Feingehalt in Tausendstel Verwendung Entspricht Karat (kt) Anteil in Prozent
333/1000
Schmuck
8 kt
33,3 %
375/1000
Schmuck
9 kt
37,5 %
417/1000
Schmuck
10 kt
41,7 %
585/1000
Schmuck
14 kt
58,5 %
750/1000
Schmuck / Zahngold
18 kt
75,0 %
835/1000
Zahngold
20 kt
83,5 %
875/1000
Schmuck
21 kt
87,5 %
916,66/1000
Schmuck, Münzen
22 kt
91,6 %
999/1000
Schmuck, Barren, Münzen
24 kt
99,9 %

Wodurch zeichnet sich Anlagegold aus?

Goldbarren oder Goldmünzen von hoher Feinheit wie oben beschrieben eignen sich zur Vermögensbildung, zur Kapitalsicherung oder zu Diversifikation in Zusammenhang mit anderen Anlageprodukten wie Aktien oder Fonds. Bei Goldbarren handelt es sich grundsätzlich um Anlagegold, wenn der Feingehalt mindestens 995 Tausendstel beträgt. Die Definition von Münzen als Investment ist etwas komplexer. So müssen Goldmünzen eine Mindestreinheit von 900/1000 besitzen und nach dem Jahr 1800 geprägt worden sein. Zudem müssen sie gesetzliches Zahlungsmittel in ihrem Ausgabeland (gewesen) sein – zu erkennen häufig am aufgeprägten Nennwert. Ausserdem darf ihr Verkaufspreis den Wert ihres Goldgehalts nur bis höchsten 80 Prozent übersteigen.

Klassische Bullion-Goldmünzen wie Krügerrand, Maple Leaf, Wiener Philharmoniker oder Vreneli und Helvetia zählen damit zum Anlagegold. Handelt es sich jedoch um Goldmünzen aus der Römerzeit oder um andere historische Goldmünzen, die vor 1800 geprägt wurden, gelten diese per Gesetz nicht als Anlagegold – obwohl sie natürlich dennoch aufgrund ihres Goldgehalts wertvoll sind.

Jetzt fragen Sie sich, warum diese Einteilung wichtig ist, wenn Gold sowieso Gold ist. Das Besondere an definiertem Anlagegold ist, dass Sie es im Handel mehrwertsteuerfrei einkaufen können, während auf Schmuckwaren und ältere historische Goldmünzen die volle MWST zu entrichten ist. Dadurch lässt sich das investierbare Kapital komplett ausschöpfen.

Was sind die Besonderheiten von Anlagesilber?

Bei Anlagesilber verhält es sich so, dass beim Kauf oder Verkauf von Silbermünzen oder Silberbarren unabhängig vom Feingehalt grundsätzlich die gesetzliche Mehrwertsteuer erhoben wird. Auch Produkte aus Platin oder Palladium fallen unter diese Regelung. Dabei variiert der Mehrwertsteuersatz von Land zu Land. Während in der Schweiz bis zum 31.12.2023 nur 7,7 und danach 8.1 Prozent erhoben werden, beläuft sich der Wert in den EU-Mitgliedsstaaten und anderen Drittländern auf 17 bis 25 Hundertstel.

Anders als bei Gold erhalten Anleger also weniger Weissmetalle für ihren Kapitaleinsatz. Wer jedoch seine Silberwaren mehrwertsteuerfrei kauft und direkt im Schweizer Zollfreilager unterbringt, kann die Mehrwertsteuer komplett einsparen.

Welchen Stellenwert hat die LBMA bei Edelmetallen?

Hersteller, die heutzutage ihre Edelmetallbarren oder -münzen in den Handel bringen möchten, benötigen idealerweise aber nicht zwingend eine Zertifizierung. Sie dient in erster Linie dazu, Vertrauen für Anleger hinsichtlich der Rohstoffherkunft, der Reinheit und der Echtheit zu schaffen. Der grösste ausserbörsliche Handelsplatz ist die London Bullion Market Association (LBMA). Wer hier sein Gold oder Silber verkaufen möchte, muss sich einem aufwendigen Prüfverfahren unterziehen und erhält schliesslich das LBMA-Zertifikat. Die Hersteller werden auf der Good Delivery List eingetragen, die ständig aktualisiert wird.

Die produzierten Gold- oder Silberbarren müssen dem sogenannten Good Delivery Standard entsprechen. Dieser definiert Spezifikationen wie Gewicht, Feinheit und Abmessungen. Überdies sind Markierungen zur eindeutigen Identifizierung erforderlich, auf die wir im nächsten Abschnitt eingehen.

Wie bereits erwähnt sind die Good Delivery Standardbarren für Privatanleger eher ungeeignet. Aufgrund ihrer Grösse kosten solche Silberbarren je nach aktuellem Kurs per Stück mehr als 20’000 Schweizer Franken. Bei einem Goldbarren der Standardklasse würden rund 700’000 CHF anfallen. Das ist vielmehr die Grössenordnung von Banken oder anderen institutionellen Abnehmern. Doch hierbei geht es um die Güte der Anlageprodukte. Denn LBMA-zertifizierte Hersteller produzieren nach den bewährten Kriterien auch handelsübliche Barren und Münzen für den klassischen Investitionsbedarf.

Die Punzierung auf Goldbarren

Die LBMA vergibt zwar kein Gütesiegel, jedoch sind die zertifizierten Hersteller verpflichtet, ihre Goldbarren nach den Vorgaben der Organisation zu kennzeichnen. So trägt jedes Produkt eindeutig zuzuordnende Punzierungen oder Prägungen auf der Oberfläche. Diese können einseitig erfolgen oder auch beidseitig. Zentrales Element ist dabei zumeist das Logo des Herstellers oder Vertriebs. Für die Echtheit und Reinheit steht zudem das Zeichen (Punze) des Prüfers oder Schmelzers. Weiterhin ist die exakte Gewichtsangabe des Produkts erforderlich sowie das Material und die Feinheit. Um die Herkunft des Goldes eindeutig zurückverfolgen zu können, ist zudem jeder Goldbarren mit einer Seriennummer versehen. Manche Ausgaben integrieren ebenfalls das Präge- oder Erscheinungsjahr. Die Kennzeichnung von Silberbarren erfolgt nach den gleichen Kriterien.

Prägungen resp. Punzierungen von Goldbarren verschiedener Hersteller
Prägungen resp. Punzierungen von Goldbarren verschiedener Hersteller
© Swiss Gold Safe

Fertigung von Edelmetallbarren

Ganz gleich aus welchem Edelmetall Barren bestehen, bei der Produktion der vorwiegend rechteckigen Blockformen kommen zwei unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. So werden Barren bis zu einem Gewicht von 150 Gramm überwiegend aus einem Strang ausgestanzt und anschliessend mit einer individuellen Prägung versehen. Ab 250 Gramm wird eher ein Gussverfahren angewendet. Dabei wird flüssiges Gold- oder Weissmetall-Granulat in eine Standardform gegossen, in der es erkaltet und fest wird. Im Anschluss erfolgt die Kennzeichnung durch spezielle Punziereisen, welche in die noch weiche Oberfläche gedrückt werden.

Was bedeuten die Prägungen auf Edelmetallbarren?

Durch das Ausstanzen und Prägen besitzen Edelmetallbarren von 1 bis 150 Gramm exaktere Formen und elegantere, meist mattglänzende Oberflächen. Diese entstehen durch die Vorbereitung der Prägestempel, die bei der Bearbeitung polierende Effekte erzeugen. Dadurch kommen Motivprägungen besonders gut zur Geltung, auf welche man bei den Gussbarren durch den gröberen Herstellungsprozess eher verzichtet. So sind im Handel seit einigen Jahren auch sogenannte Münzbarren erhältlich, die attraktive Motive auf Vorder- und Rückseite aufweisen. Die weiterhin rechteckigen Edelmetalle sind mit einem runden Münzemblem ausgestattet und verfügen über einen aufgeprägten Nennwert.

Tafelbarren und fälschungssichere Kinebars

Darüber hinaus sind im Handel geprägte Tafelbarren erhältlich. Dabei handelt es sich um zusammenhängende, rechteckige Goldplättchen von zumeist 1 Gramm. Ähnlich einer Tafel Schokolade besitzen die Barren Sollbruchstellen, sodass sie von Hand in ihre einzelnen Teile zerlegt und diese bei Bedarf veräussert werden können. Bekannte Produkte aus der Schweiz sind die CombiBars von Valcambi oder die MultiDiscs von Heraeus als Einzelplättchen.

Eine weitere Besonderheit stellen Kinebars des Schweizer Herstellers Argor Heraeus da. Die Prägebarren sind in vielen Stückelungen von 1 Gramm bis 1 Unze erhältlich und tragen auf ihrer Rückseite ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal. Das sogenannte Kinegram ist eine schillernde Hologrammprägung, die je nach Lichteinfall attraktive Reflexionen in allen Regenbogenfarben zeigt. Die aufwendigen Hologrammbarren werden seit 1994 hergestellt.

Abbildung eines Hologrammbarren
Abbildung eines Hologrammbarren
© NES Edelmetall - stock.adobe.com

Fertigung von Edelmetallmünzen

Münzen entstehen ausschliesslich durch Prägung auf zuvor gestanzten Ronden, die bereits der späteren Gewichtseinheit entsprechen. Hierzu werden spezielle Prägestempel verwendet, die anhand von Grafiken angefertigt werden. Da Edelmetallmünzen beidseitige und unterschiedliche Motive aufweisen, werden zwei separate Stempel eingesetzt, die in einem einzigen Vorgang auf die Rohlinge gepresst werden. Einige Münzen wie zum Beispiel die Maple Leaf wiesen auch Lasergravuren als Sicherheitsmerkmal auf. Für den Bullionmarkt bleiben die Ronden in ihrem ursprünglichen Zustand. So kommen die Prägequalitäten Stempelglanz oder Prägefrisch zustande. Sammlermünzen werden hingegen häufig auf polierte Platten geprägt oder mit speziell geschliffenen Stempeln bearbeitet, sodass hochglänzende Oberflächen entstehen.

Worin unterscheiden sich Münze und Medaille?

Medaillen besitzen zwar auch eine runde Form und beinhalten Edelmetalle, jedoch sind es weder Münzen noch Anlageprodukte. Meist sind sie nur einseitig geprägt und verfügen allenfalls über eine sehr dünne Gold- oder Silberauflage. Im Kern bestehen sie häufig aus Nickel oder anderen Schwermetallen. Sie gelten eher als Erinnerungs- oder Gedenkstücke oder werden bei Veranstaltungen oder Auszeichnungen verliehen. Bei Edelmetallmünzen handelt es sich um offizielle Ausgaben der jeweiligen Landesregierung, während Medaillen ohne Regierungsauftrag von jeder Prägestätte hergestellt werden können. Ein Nennwert ist nicht aufgeprägt und sie besitzen auch keinen Status als Zahlungsmittel.

Echtheitszertifikate für Münzen oder Barren

Viele renommierte Hersteller bringen Barren oder Münzen gemeinsam mit Zusatzdokumenten in den Handel. Dies sind Echtheitszertifikate, aus denen Ursprung, Güte und die technischen Daten der Produkte hervorgehen. Häufig werden nummerierte Zertifikate bei limitierten Sondermünzen eingesetzt, die einzeln angeboten werden. Ebenso sind sie bei Edelmetallbaren zu finden oder bei Bullionmünzen, die in grösseren Mengen verausgabt werden. Diese sind dann in Münztuben zu 10 bis 25 Stück verpackt sowie in Masterboxen mit 10 oder 20 solcher Tuben. Die Pakete werden in der Regel versiegelt oder mit einer Banderole verschlossen. Das entsprechende Zertifikat belegt den Inhalt und die Echtheit, sodass sie ungeöffnet gelagert werden können.

Wo Gold oder Silber kaufen und lagern?

Experten raten dazu, Gold oder Silber ausschliesslich im Edelmetallfachhandel zu kaufen. Das kann entweder vor Ort an der Ladentheke sein oder im seriösen Onlineshop wie von Echtgeld AG. Andere Angebote sind mit Vorsicht zu betrachten, um keine teuren Fälschungen zu erwerben, die tatsächlich wertlos sind und sich später nicht wieder verkaufen lassen.

Aufgrund ihrer hohen Wertdichte sollten Edelmetalle sicher aufbewahrt werden. Dazu empfehlen sich solide Heimtresore, Bankschliessfächer oder bankenunabhängige Schliessfächer wie sie von privaten Lagerunternehmen in der Schweiz angeboten werden.

Basiswissen über Barren und Münzen im schnellen Überblick