Die Rolle von Gold im langfristigen Vermögensaufbau
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Eine finanzwissenschaftliche Analyse der Universität Zürich
Um den Stellenwert von Gold zur Vermögensbildung aufzuzeigen, wurden bereits mehrere Studien bemüht. Doch keine Untersuchung ist wie die andere, denn es gibt unterschiedliche Herangehensweisen. So auch bei der Goldstudie, die im Januar 2025 von der Universität Zürich durchgeführt wurde. Sie berücksichtigt verschiedene geopolitische Ereignisse und betrachtet USD und CHF gleichermassen als Referenzwährung. Weiterhin wurden Schweizer Steuern, Transaktionskosten und Gegenparteirisiken einbezogen. Die Analyse basiert zudem auf verschiedenen Portfoliotheorien und prüft die Nachhaltigkeit von Gold.
Disclaimer
Wir haben uns die ausführliche Goldstudie der Universität Zürich vom 15. Januar 2025 angeschaut und für Sie die wichtigsten Aussagen und Erkenntnisse zusammengefasst. Dieser Artikel stellt demnach keine Anlageberatung dar, sondern informiert Sie allgemein über den Stellenwert von Gold als Investment anhand der Studie. Wenden Sie sich für eine konkrete Kapitalplanung bitte an Ihren Finanzberater.
Die Goldstudie der Uni Zürich im Überblick
- Eine Studie der Universität Zürich von 2025 prüft die Eignung von physischem Gold für die langfristige Vermögensbildung.
- Um den historischen Stellenwert von Gold in der Menschheitsgeschichte zu belegen, blickten die Autoren in die Vergangenheit zurück.
- Gold ist vielfach als Krisenmetall bekannt, während andere Assets in schwieriger Wirtschaftslage oft an Wert verlieren. Es kann auch im Katastrophenfall eingesetzt werden.
- Je nach Anlagestrategie kann der Anteil von Gold unterschiedlich ausfallen. Abhängig vom Steuermodel sind bis zu 26 Prozent realistisch.
- Wer statt physischem Gold lieber auf Goldkontrakte setzt, muss mit Gegenparteirisiken rechnen.
- Dividenden und Coupons (Zinserträge aus Obligationen) müssen in der Schweiz versteuert werden. Kursgewinne bleiben steuerfrei.
- Digitale Währungen werden vielfach als das neue Gold gehandelt. Beim direkten Vergleich mit physischem Gold verlieren Bitcoin oder Gold-Token jedoch.
- Die Nachhaltigkeit von Gold ist umstritten. Es kommt vielfach auf die Art der Gewinnung an. Recyceltes Edelmetall und Fair-Trade-Gold haben Vorteile.
Hintergrund der Schweizer Goldstudie
Die finanzwissenschaftliche Analyse Gold für den langfristigen Vermögensaufbau wurde von den Autoren Prof. Thorsten Hens und MA Alvin Amstein als akademischer Mitarbeiter, für das Department of Finance der Universität Zürich und im Auftrag der Bank von Roll im Januar 2025 erstellt. Der deutsch-schweizerische Ökonom ist Professor für Wirtschaft am Swiss Finance Institute sowie an der Universität Zürich, nebst weiteren Professuren.
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Ziel der Studie war es, das Edelmetall Gold und seine Rolle im langfristigen Vermögensaufbau anhand moderner Aspekte sowie der Einflussnahme durch landestypische Gegebenheiten der Schweiz zu betrachten. Als Quellen nutzten die Autoren international anerkannte Veröffentlichungen und Abhandlungen der letzten Jahrzehnte. Dabei betrachteten die Experten sowohl die historische Bedeutung von Gold über die Jahrtausende hinweg als auch digitale Alternativen der Neuzeit wie Kryptowährungen oder Gold-Token.
Schliesslich widmeten sich Hens und Amstein der zentralen Frage, wie viel Gold ein modernes Portfolio tatsächlich enthalten sollte. Dazu ermittelten sie die Höhe des Goldanteils in Schweizer Haushalten anhand ihres Finanzvermögens und zeigten auf, wie hoch der Anteil aus finanzökonomischer Sicht realistisch ausfallen sollte. Für die Berechnung war zudem ausschlaggebend, ob es sich um Privatanleger oder institutionelle Investoren handelt – Allokationsmodelle mit und ohne Steuern.
- Sehen Sie zum Vergleich die Erkenntnisse aus der deutschen Reisebankstudie Gold im Portfoliokontext.
Die Historie von Gold
Um den Status von Gold in unserer heutigen modernen Welt sinnvoll ermitteln zu können, reisten die Autoren der Goldstudie zunächst in die Vergangenheit. Denn der Wert, den das Edelmetall bis heute aufgebaut hat, begründet sich bereits in seinen Anfängen. So wurde Gold in vielen Kulturen als göttliches Symbol verehrt und war Ausdruck von Macht, wie zum Beispiel in der griechischen Mythologie. Es nahm eine zentrale Rolle innerhalb von Kunst und Religion ein. Seit Jahrtausenden gilt es als zuverlässiges Wertaufbewahrungsmittel.
Überdies bedeutet Gold Sicherheit. Die Menschen sehen Gold als verlässlichen Wert an, der sich insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt. Es steht für Wohlstand und einen unvergleichlichen Vermögensschutz. Darüber hinaus wird es wegen seines Glanzes und seiner ästhetischen Anziehungskraft begehrt. Der Hintergrund für diesen Zufluchtswert liegt laut der Studie in seiner geringen Verfügbarkeit: Etwa 80 Prozent alles Goldes sind bereits gefördert und in gut 20 Jahren wird es eventuell kein neu gefördertes Gold mehr geben oder zumindest nur noch zu viel höheren Abbaukosten als heute. Darüber hinaus besticht Gold durch seine einzigartigen Eigenschaften als wertvollstes Edelmetall der Welt. „Die Knappheit und Stabilität von Gold heben es deutlich von Papiergeld ab“, begründen die Autoren.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Gold zu einem begehrten Zahlungsmittel. Goldmünzen vereinfachten bereits in der Antike den Handel. Später wurde Gold zur Hinterlegung der Währung genutzt. Es entwickelte sich das Papiergeld, das anfangs vollständig mit Gold gedeckt war. Ab dem 20. Jahrhundert verlagerte sich die Golddeckung hin zu einer Währungsreserve.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Dollar durch das Bretton-Woods-System als globale Leitwährung festgesetzt, während die US-Währung gleichzeitig an Gold gebunden war. Erst 1971 wurde der Goldstandard aufgegeben und das heutige Fiat-Geldsystem wurde der Massstab. Fortan konnte sich der Wert von Gold eigenständig und losgelöst von einer Währung entwickeln.
In den Jahren zwischen 1970 und den 2000er-Jahren verlor Gold zunehmend an Bedeutung. Erst der Dotcom-Crash (2000 – 2003) und dann die weltweite Finanz- und Bankenkrise (2007 – 2009) sorgten für eine regelrechte Renaissance des Goldes. Es folgten die Eurokrise (2010 – 2014), Corona-Pandemie (ab 2020) und die Kriege in Europa (ab 2022) im Stakkato. Von den 1970er-Jahren bis 2024 konnte Gold seinen Wert inflationsbereinigt verachtfachen.
Ist das Krisenmetall Gold auch im Katastrophenfall geeignet?
Gerade in Krisenzeiten erwies sich Gold in der Vergangenheit immer wieder als besonders widerstandsfähige Anlageklasse. Zu beobachten ist gleichzeitig, dass Aktien in turbulenten Phasen vielfach stark an Wert verlieren. Dennoch erkannten die Studienautoren, dass Gold kein Garant für stetige Wertzuwächse ist, da sein Preis nach Krisenzeiten wieder fallen kann. Deshalb sei es zwar sinnvoll, Gold als Teil eines diversifizierten Portfolios einzusetzen, aber nicht allein darauf zu vertrauen.
Im gleichen Masse kann Gold als Versicherung im Katastrophenfall dienen. Die Studienexperten nannten die Vertreibung aufgrund von Kriegen als Beispiel. Gold hat einen anerkannten Wert und wird nahezu rund um den Globus als wertvolle Ressource geschätzt. Im Falle von kriegsbedingten Vertreibungen kann es daher als gute Fluchtwährung dienen. Jedoch ist Gold auch schwer und nimmt Platz ein. Kleinteilige Münzen oder Goldschmuck könnten auf der Flucht von Vorteil sein.
Das Asset Gold im Gesamtportfolio
Wieviel Prozent Gold sollte also ein Anleger halten? Dazu findet ChatGPT in der passiven Allokation folgendes Rechenszenario für Schweizer Anleger: Demnach bestünde ein ausgewogenes Portfolio aus 52,5 Prozent Aktien, 35,5 Prozent Obligationen und 12 Prozent Gold. Doch deckt sich dies mit den tatsächlichen Werten?
Das Bundesamt für Statistik hat das Finanzvermögen aller Schweizer Haushalte zusammengenommen auf 2’500 Milliarden Schweizer Franken angegeben. Und eine Umfrage in der Schweiz durch die Universität Sankt Gallen 2024 hat ergeben, dass das Goldvermögen der Schweizer etwa 15 Milliarden CHF ausmacht. Dadurch ergibt weniger als 1 Prozent des Finanzvermögens in Gold. Die Studie von Hens und Amstein zeigt durch verschiedene Berechnungsmodelle auf, dass der Anteil aus finanzökonomischer Sicht jedoch mindestens zehnmal höher sein sollte. So kommt das bekannteste Finanzmarktmodell, das Capital Asset Pricing Model (CAPM) auf 12 Prozent, wie eingangs aufgeführt.
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In einer anderen Berechnung liegt das „Buy & Hold“ System zugrunde. Anleger müssen entscheiden, ob sie Gold „kaufen und liegenlassen“ wollen oder im Zusammenspiel mit anderen Anlagen den Anteil des Goldes im Portfolio regelmässig rebalancieren. Das klassische Buy & Hold ist nicht für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet. Der Anteil von Gold sollte daher zwischen 1 und 4 Prozent betragen, je nachdem, ob das Steuersystem berücksichtigt wird oder nicht.
Anders bei einer dynamischen Rebalancing-Strategie. Hierbei wird das Vermögen auf mehrere Anlagen verteilt und die Vermögensallokation im Auf und Ab der Märkte konstant gehalten. Dadurch steigt der empfohlene Goldanteil nach Meinung der Experten deutlich. Für international diversifizierte Anleger in der Schweiz würde er 17 Prozent betragen und bei Berücksichtigung von Steuern auf alle Assetklassen sogar bis zu 26 Prozent.
Gegenparteirisiko beim Einsatz von Goldkontrakten
Im langfristigen Vermögensaufbau kann das regelmässige Umschichten zwischen Aktien und Gold in einer Rebalancing-Strategie statt mit physischem Gold auch mit Goldkontrakten wie ETFs, Futures oder Zertifikaten realisiert werden. Dadurch lassen sich die Transaktionskosten reduzieren. Jedoch kann eine solche Strategie ein Gegenparteirisiko bergen. Die Gefahr besteht insbesondere bei Goldkontrakten, da sie von der Stabilität der Bank oder Clearingstelle abhängen.
Dagegen vermeidet physisches Gold derlei Risiken. Anleger tun also gut daran, den Kosten-/Nutzeneffekt von der jeweiligen Rebalancing-Strategie gegenüberzustellen und zu vergleichen. Denn trotz höherer Lager- und Transaktionskosten kann sich physisches Gold als vorteilhaft erweisen.
Steuern in der Schweiz: Gold hat Vorteile
Ein weiterer Aspekt der Schweizer Goldstudie sind die Steuern in der Schweiz. Tatsächlich ist das Steuersystem der Schweiz vorteilhaft für Gold. Anleger zahlen zwar Steuern auf Zinsen sowie auf Dividenden von Aktien, jedoch nicht auf Gold, da es keine Erträge zahlt. Weiterhin werden Kursgewinne nicht besteuert. Damit gleicht das Steuersystem einen wesentlichen Nachteil von Gold aus.
Darüber hinaus sind Erwerb und Veräusserung von physischen Goldanlageprodukten (Bulliongold) bis auf wenige Ausnahmen von der Mehrwertsteuer befreit. Edelmetalle zählen jedoch zum Gesamtvermögen, das Schweizer Bürger in der jährlichen Steuererklärung für die Berechnung der Vermögensteuern angegeben müssen.
Sind Bitcoin und Token das neue Gold?
Kryptowährungen wie etwa Bitcoin erfreuen sich seit ihrer Markteinführung 2009 zunehmender Beliebtheit. Tatsächlich teilt die digitale Währung gewisse Eigenschaften mit Gold, wie etwa die auf 21 Millionen begrenzte Gesamtmenge – von dem aktuell etwa 20 Millionen geschürft worden sind. Damit erschöpfen sich jedoch die Gemeinsamkeiten mit dem Edelmetall, denn Bitcoin besitzt eine hohe Volatilität, ist nicht krisenresistent und verfügt aufgrund seiner jungen Existenz nur über eine bedingt aussagekräftige Tradition und damit Datenlage. Zudem steht das Kryptogeld laut Ansicht der Studienautoren vor zahlreichen Herausforderungen wie einer international uneinheitlichen Rechtsregelung oder einer eingeschränkten Nutzbarkeit als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Auch aufgrund seiner Nischenorientierung sollten passive Anleger nach Ansicht der Experten weniger als 1 Prozent ihres Vermögens in Bitcoin oder anderen Kryptos halten.
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Ähnliche Argumente finden die Autoren, wenn es um die Blockchain-Technologie und den Handel von Gold-Token geht. Sie repräsentieren Besitzansprüche auf physisches Gold. Dadurch bietet die Blockchain neue Möglichkeiten, Gold zu handeln. Dahinter verbirgt sich eine sichere und transparente Aufzeichnung aller Transaktionen innerhalb eines Netzwerks. Im Vergleich zu ETFs bietet die Blockchain niedrigere Transaktionskosten sowie einen einfachen Zugang über digitale Wallets. Dennoch bleibt die physische Hinterlegung mit Gold und die Kontrolle darüber essenziell. Gleichzeitig hat die Technologie trotz wachsenden Interesses mit regulatorischen Unsicherheiten zu kämpfen.
Wie nachhaltig ist Gold im 21. Jahrhundert?
Bei Gold handelt es sich um einen Rohstoff, der quasi niemals vergeht. Das bedeutet das alles jemals geschürfte und veräusserte Gold zumindest in der Theorie immer noch existiert. Es könnte jederzeit zurückgewonnen und zu neuen Produkten verarbeitet werden. Dies ist ein bedeutender Aspekt, denn die Primärgewinnung verursacht erhebliche Probleme hinsichtlich Umwelt und sozialverträglicher Arbeit. Dies betrifft gleichermassen den industriellen Tagebau (LSGM) wie die Kleinbergbauern (ASGM).
Dadurch punktet die Sekundärgewinnung. Laut der Goldstudie nimmt recyceltes Gold inzwischen 27 Prozent des Gesamtangebots ein. Auch Fair-Trade-Gold bietet nachhaltige Optionen, wie etwa Zertifizierungen, faire Löhne, den Verzicht auf Kinderarbeit oder den sicheren Umgang mit Chemikalien. Doch die Organisationen stehen vor den Herausforderungen einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit, hohen Zertifizierungskosten und einer eher geringen Marktnachfrage.
Aber auch hier könnten Technologien wie Blockchain unterstützen, glauben die Experten. Dadurch liesse sich die Transparenz in den Lieferketten verbessern und ESG-konformes Gold fördern. Die ethischen und ökologischen Standards, Environmental- (Umwelt), Social- (Soziales) und Governance-Kriterien (Unternehmensführung), die vom World Gold Council definiert wurden, könnten die möglichen negativen Auswirkungen des nicht regulierten Goldabbaus minimieren.
Fazit: Gold spielt eine wichtige Rolle im langfristigen Vermögensaufbau!
Die Goldstudie der Universität Zürich kommt zu dem Schluss, dass Gold wichtig ist für den langfristigen Vermögensaufbau. Es ist nicht so sehr „Renditetreiber“ im Portfolio, sondern eine Versicherung, um in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben. Gold sollte daher in einer Grössenordnung von 10 bis 20 Prozent in die Vermögensallokation einbezogen werden. Dabei empfehlen die Studienautoren, physisches Gold zu halten, um ein mögliches Gegenparteirisiko bei Goldkontrakten zu vermeiden.
Um das Vermögen langfristig besser vermehren zu können, raten die Finanzexperten zudem dazu, Gold nicht auf ewig statisch im Tresor liegen zu lassen, sondern in Krisenzeiten teilweise zu verkaufen. Eine balancierte Strategie sorgt für ein optimales Portfolio. Neue Anlagen wie Bitcoin oder tokenisiertes Gold halten die Autoren aufgrund von Volatilität und der unsicheren rechtlichen Situation für ungeeignet zum langfristigen Vermögensaufbau.